alphanetz nrw
Sie sind hier: Alphanetz NRW > Schirmherrin

Schirmherrin Sylvia Löhrmann

Sylvia Löhrmann

Rede der Schirmherrin zur Gründung des Alphanetz NRW

Düsseldorf, 26. Februar 2014

Sehr geehrte Frau Leidemann,
sehr geehrte Damen und Herren Landtagsabgeordnete,
sehr geehrte Damen und Herren aus der Weiterbildung,

wahrlich treffend sagte Paulo Evaristo Kardinal Arns, der emeritierte Erzbischof von Sao Paulo, einst, – ich zitiere: „Das Einmaleins und das Alphabet sind das beste Saatgut gegen Armut und Not.“

Und ich möchte ergänzen: Das gilt überall. Auch hier in Nordrhein-Westfalen. Das hat auch der Landtag Ende Januar deutlich gemacht und sich in einem gemeinsamen Antrag aller Fraktionen darauf verständigt, hierzulande ein breites Bündnis gegen Analphabetismus zu schmieden.

Ich freue mich daher sehr, dass wir heute  zusammenkommen, und ich freue mich besonders, dass wir heute hier, im Tanzhaus NRW, zusammenkommen, um dieses Saatgut auszusähen!

Kaum ein anderer Ort wäre besser hierfür geeignet, steht doch gerade das vor mehr als einem Jahrzehnt in dieses frühere Straßenbahndepot gezogene Tanzhaus NRW für Kreativität, Aufbruch und Vielfalt. Für drei wesentliche Eigenschaften, die wir auch brauchen, wenn wir im breiten Feld der Alphabetisierung und Grundbildung erfolgreich arbeiten wollen.

Besonders freut mich aber auch, dass Sie mich gebeten haben, Schirmherrin für dieses landesweite Netzwerk zu werden. – Für ein Netzwerk, das für alle offen ist und das hoffentlich viele verschiedene Partner aus Politik, Verwaltung, Kirchen, Gewerkschaften, Wirtschaft, Verbänden und natürlich der Weiterbildung tragen werden.

Denn für mich ist diese Schirmherrschaft mehr als nur ein symbolischer Akt. Sie ist ein ganz wichtiges Signal, öffentlich bewusst zu machen, dass Alphabetisierung und Grundbildung bildungspolitisch eine herausgehobene Rolle spielen.

Alphabetisierung ist der Kern der Grundbildung, zu der dann andere Basisqualifikationen hinzukommen. Nur wer lesen und schreiben kann, kann sich persönlich entwickeln, beruflich weiterbilden, und gesellschaftlich teilhaben.

Alphabetisierung vermindert Armut und Not, – und: Wer über Grundbildung verfügt, hat eine  Basis für demokratisches Handeln. Denken Sie hierbei unter anderem nur an die 2013 veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung „Gespaltene Demokratie“, die zeigt, wie Bildung und Wahlbeteiligung zusammenhängen!

Wir alle wissen und die verschiedenen wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen uns: Leider können auch in Deutschland viele Menschen nicht ausreichend lesen und schreiben. Die Level One Studie der Universität Hamburg beziffert ihre Zahl auf rund 7,5 Millionen Menschen!

Es gibt keine Auswertungen für die einzelnen Länder, doch es gehört nicht sehr viel Phantasie dazu, davon auszugehen, dass auch in Nordrhein-Westfalen eine hohe Zahl von Menschen betroffen ist. 

Ich will deshalb sehr deutlich sagen: Mit  Symbolik alleine ist es nicht getan. Wir wollen und müssen weitere Schritte gehen, gemeinsam handeln und das Saatgut aussähen, wenn wir vorankommen wollen. Das landesweite Netzwerk ist ein wichtiger Meilenstein dafür. Weitere Bausteine sind regionale Bündnisse. Ich würde mich deshalb sehr freuen, wenn es in möglichst vielen Regionen unseres Landes gelingt, neue, auch lokale Bündnisse zu schmieden.

Wichtig ist, dort anzufangen, wo die Menschen leben und arbeiten. Wichtig ist, vor Ort zu sensibilisieren und gemeinsam vor Ort-Initiativen zu entwickeln.

Denn gerade quartiersbezogene Initiativen, die die Bürgerinnen und Bürger in ihrem Umfeld ansprechen, ob in der Schule, am Arbeitsplatz oder im Verein können ermutigen und zur Enttabuisierung dieses sensiblen Themas beitragen. Besonders diese Initiativen können dazu beitragen, dass Bürgerinnen und Bürger ermutigt werden, richtig lesen und schreiben zu lernen oder ihren Schulabschluss nachzuholen, um so das Fundament für eine umfassende gesellschaftliche Teilhabe zu legen.

Hier müssen wir sie begleiten und unterstützen, um ihre Potenziale zu entwickeln. Das ist im Übrigen auch Inklusion!

In unserer breiten und gut ausgebauten Bildungslandschaft sind dabei unsere regionalen Bildungsnetzwerke ganz wichtige Akteure.

Knotenpunkte dieser Netzwerke sind sicherlich die Schulen, die einen wichtigen Beitrag leisten, jungen Menschen umfassende Kompetenzen zu vermitteln, erfolgreich ihr Leben führen zu können. Sie können weitere Akteure systemisch einbinden und weit darüber hinaus wirken.

Letztlich entscheiden die Netzwerke jedoch vor Ort, wo genau sie ihre inhaltlichen Schwerpunkte setzen. Dass sie auch offen für Alphabetisierung und Grundbildung sind, zeigt das Beispiel Märkischer Kreis. Hier haben sich die Akteure des regionalen Bildungsnetzwerkes auf den Weg gemacht, Schlüsselpersonen anzusprechen, zu sensibilisieren und Betroffene zu unterstützen. Ich kann mir vorstellen: dieses gute Beispiel macht Schule!

Wer sich die Dimension von Alphabetisierung und Grundbildung vorstellt, sieht schnell, dass wir eine breite, von vielen Partnern getragene Allianz, brauchen.

Dafür ist die heutige Gründungsveranstaltung ein Meilenstein und ein wichtiger Auftakt. Ich würde mich freuen, wenn wir uns gemeinsam verstärkt um die Wirtschaft, aber auch um die Stiftungen als Partner bemühen. Sie sind wichtige Partner, die wir in einen breit aufgestellten Pakt für Grundbildung einbeziehen müssen.

Ich bin der Ansicht, dass es sich auch in der Grundbildung lohnt, den Bezug zur Wirtschaft herzustellen. Schließlich zeigt die Leo-Studie auch, dass 57 Prozent der betroffenen Befragten erwerbstätig sind! Außerdem sollten wir nicht vergessen: die Unternehmen tragen erheblich zur Finanzierung der Ausbildung und der Weiterbildung bei.

Ich habe dem von mir einberufenen Landesbeirat gemeinwohlorientierte Weiterbildung deshalb vorgeschlagen, einen Pakt für Grundbildung auf den Weg zu bringen. Dieser  Vorschlag wurde in der konstituierenden Sitzung einhellig positiv aufgenommen, und ich bin gespannt, wie die weiteren Beratungen des Landesbeirats dazu verlaufen werden.
Lassen Sie uns – wie es in der Einladung heißt – neue unkonventionelle Wege gehen!

Saatgut braucht viel Pflege und einen guten Nährboden, um zu wachsen. Lassen Sie uns gemeinsam dazu beitragen, dass aus diesem Netzwerk viele starke Pflanzen hervorgehen. Es lohnt sich. Für die Zukunft jedes Betroffenen und für die Zukunft unserer demokratischen Gesellschaft.

Vielen Dank.

Sylvia Löhrmann
Ministerin für Schule und Weiterbildung/stellv. NRW-Ministerpräsidentin

Hier finden Sie die Beitrittserklärung der Schirmherrin Sylvia Löhrmann als PDF-Datei.

Diese Seite empfehlen: