Bildungsbericht 2026: Weiterbildung und Grundbildung stärker in den Fokus rücken
Mit dem nationalen Bildungsbericht „Bildung in Deutschland 2026“ liegt erneut eine umfassende Bestandsaufnahme des deutschen Bildungssystems vor. Der Bericht analysiert aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen entlang der gesamten Bildungskette – von der frühen Bildung bis zur Weiterbildung im Erwachsenenalter. Das diesjährige Schwerpunktkapitel widmet sich den Bildungsungleichheiten nach sozialer Herkunft.
Die Autorinnen und Autoren stellen fest, dass trotz zahlreicher Reformen soziale Ungleichheiten über den gesamten Bildungsverlauf hinweg bestehen bleiben. Gleichzeitig nehmen die Anforderungen an das Bildungssystem durch Digitalisierung, Zuwanderung, Inklusion, den demografischen Wandel und den Fachkräftemangel weiter zu. Vor diesem Hintergrund wird eine langfristig angelegte, ressortübergreifend abgestimmte Bildungssteuerung mit klaren Zielen als zunehmend notwendig beschrieben.
Weiterbildung vor großen Herausforderungen
Für den Weiterbildungsbereich beschreibt der Bildungsbericht eine Reihe zentraler Herausforderungen. Zwar verfolgt die Bundesregierung das Ziel, die Weiterbildungsbeteiligung bis 2030 auf 65 Prozent zu steigern. Angesichts einer zuletzt für das Jahr 2022 erhobenen Teilnahmequote von 54 Prozent bleibt dieses Ziel jedoch ambitioniert.
Der Bericht zeigt zudem, dass das Weiterbildungsengagement von Unternehmen trotz eines hohen Qualifizierungsbedarfs weiterhin unter dem Niveau von 2019 liegt. Gleichzeitig steigt bereits ab dem mittleren Erwerbsalter der Anteil der Menschen, die seit längerer Zeit nicht mehr an Weiterbildung teilgenommen haben. Besonders gering Qualifizierte bleiben in der non-formalen Weiterbildung unterrepräsentiert. Dies gilt in noch stärkerem Maße für internetgestützte Lernangebote. Auch kompensatorische Bildungswege, wie der Zweite Bildungsweg, haben in den vergangenen Jahren an Bedeutung verloren.
Weiterhin hoher Handlungsbedarf in Alphabetisierung und Grundbildung
Der Bildungsbericht verweist darauf, dass insbesondere Menschen mit geringer formaler Bildung deutlich seltener an Weiterbildung teilnehmen und digitale Lernangebote weniger nutzen. Damit wird die Bedeutung niedrigschwelliger und zielgruppengerechter Bildungsangebote erneut deutlich.
Darüber hinaus werden die veränderten Rahmenbedingungen in der Integrations- und Sprachförderung thematisiert. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen bleibt die Förderung von Alphabetisierung und Grundbildung eine wichtige bildungspolitische Aufgabe, um Teilhabe, Beschäftigungsfähigkeit und lebenslanges Lernen zu stärken.
Qualität braucht verlässliche Rahmenbedingungen
Der Bildungsbericht unterstreicht die zentrale Bedeutung qualifizierter Lehrkräfte für eine hochwertige Weiterbildung. Gleichzeitig erschweren unsichere Beschäftigungsbedingungen – unter anderem infolge des Herrenberg-Urteils – die Gewinnung und Bindung von Lehrkräften.
Soll Weiterbildung einen wirksamen Beitrag zur Fachkräftesicherung leisten, benötigt sie selbst verlässliche, rechtssichere und attraktive Beschäftigungsbedingungen für Lehrkräfte.
Digitale Transformation gestalten
Auch die digitale Transformation bleibt eine zentrale Zukunftsaufgabe. Digitale Lernaktivitäten nehmen zwar insgesamt zu, sind jedoch weiterhin sozial ungleich verteilt. Vor allem Menschen mit geringer formaler Bildung sowie ältere Erwachsene nutzen digitale Lernangebote deutlich seltener. Fehlende digitale Kompetenzen verstärken diese Unterschiede zusätzlich.
Der Bildungsbericht spricht sich deshalb für eine langfristige, zwischen Bund und Ländern abgestimmte Strategie zur Förderung digitaler Kompetenzen über das gesamte Erwachsenenalter hinweg aus.
Finanzierung der Weiterbildung transparenter gestalten
Erstmals enthält der Bildungsbericht einen Indikator zur Finanzierung der Weiterbildung aus öffentlichen und privaten Mitteln. Damit wird die Finanzierungsstruktur der Weiterbildung systematisch dargestellt und sichtbar gemacht, welchen Beitrag öffentliche Hand, Unternehmen und Teilnehmende selbst leisten.
Die Autorinnen und Autoren weisen darauf hin, dass eine verlässliche Finanzierung eine wesentliche Voraussetzung dafür ist, die Leistungsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit der Weiterbildung langfristig zu sichern.
Weiterführende Einordnung: „Wie weiter mit der Weiterbildung?“
Während sich die öffentliche Debatte zum Bildungsbericht 2026 überwiegend auf Schule und frühkindliche Bildung konzentrierte, fanden die Ergebnisse zur Erwachsenenbildung und Weiterbildung bislang vergleichsweise wenig Beachtung. Diese Beobachtung greifen Prof. Dr. Josef Schrader und Jonathan Kohl in ihrem Gastbeitrag „Wie weiter mit der Weiterbildung?“ im Blog von Jan-Martin Wiarda auf.
Die Autoren plädieren dafür, die Erwachsenenbildung stärker in bildungspolitische Strategien einzubeziehen und ihre Bedeutung für die Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen – etwa Fachkräftesicherung, demografischer Wandel und lebenslanges Lernen – stärker in den Blick zu nehmen. Der Beitrag versteht sich als Impuls für eine intensivere bildungspolitische Diskussion über die Zukunft der Weiterbildung und ihre strukturellen Rahmenbedingungen.
Der nationale Bildungsbericht „Bildung in Deutschland 2026“ steht hier als Download zur Verfügung.
