„Jeder zählt und jeder kann“ – Gemeinsam für Alphabetisierung und Grundbildung in NRW

Heute feiert der Weltalphabetisierungstag sein 60-jähriges Jubiläum. Der Internationale Tag der Alphabetisierung wurde 1966 von der UNESCO auf ihrer 14. Generalkonferenz ausgerufen und wird seit 1967 jährlich am 8. September begangen. Seitdem macht er auf die Bedeutung von Lesen und Schreiben für Bildung, gesellschaftliche Teilhabe und persönliche Entwicklung aufmerksam. 2026 steht der Internationale Tag der Alphabetisierung unter dem Motto „Literacy for people, the planet and prosperity“.

Auch sechs Jahrzehnte nach seiner Ausrufung bleibt Alphabetisierung eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe. In Deutschland sind nach den Ergebnissen der LEO-Studie 2018 rund 6,2 Millionen deutschsprechende Erwachsene im Alter von 18 bis 64 Jahren gering literalisiert. Das entspricht 12,1 Prozent dieser Bevölkerungsgruppe.

Nordrhein-Westfalen stärkt Alphabetisierung und Grundbildung seit mehr als zehn Jahren

Das Land Nordrhein-Westfalen engagiert sich seit vielen Jahren für Alphabetisierung und Grundbildung. Seit 2014 fördert es das Alphanetz NRW – Landesnetzwerk für Alphabetisierung und Grundbildung.

Das Alphanetz NRW steht seit Beginn seiner Tätigkeit für eine handlungsfeld-, fachbereichs- und trägerübergreifende Vernetzung und Zusammenarbeit. Mehr als 160 Mitglieder aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen gehören heute dem Netzwerk an. Ziel ist es, Expertise zu bündeln, den fachlichen Austausch zu fördern und Alphabetisierung und Grundbildung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu stärken.

Die Koordinierungsstelle des Netzwerks trägt dazu bei, vorhandene Expertise landesweit nutzbar zu machen, Kooperationen zu stärken und Alphabetisierung und Grundbildung nachhaltig in unterschiedlichen Handlungsfeldern zu verankern.

Weltalphabetisierungstag macht Engagement vor Ort sichtbar

Wie sich dieses Engagement vor Ort zeigt, wird jedes Jahr besonders rund um den 8. September deutlich. Mitglieder und Partner des Alphanetz NRW nutzen den Weltalphabetisierungstag für Aktionen, Ausstellungen sowie Informations- und Mitmachangebote. Sie schaffen Öffentlichkeit für das Thema, kommen mit Menschen ins Gespräch und informieren über Lern- und Unterstützungsmöglichkeiten.

Auch im Jubiläumsjahr 2026 finden in Nordrhein-Westfalen zahlreiche Aktivitäten statt. Einige Beispiele aus dem Alphanetz NRW:

Mönchengladbach: Das Projekt WortWelten der Volkshochschule macht gemeinsam mit Kooperationspartnern Alphabetisierung und Grundbildung im Stadtgebiet sichtbar. Informations- und Mitmachangebote auf dem Sonnenhausplatz und in der Stadtbibliothek werden mit offenen Angeboten in den WortWelten-Lerntreffs verbunden.

Bielefeld: Die Volkshochschule und die Stadtteilbibliothek Brackwede gestalten gemeinsam einen Aktionstag rund um Lesen, Schreiben und Sprache. Workshops, eine Lesung in einfacher Sprache und der Austausch mit Teilnehmenden und Kursleitenden aus Lese- und Schreibkursen schaffen Begegnung und tragen dazu bei, Vorurteile abzubauen.

Dortmund: Die Volkshochschule informiert und berät mit einem Aktionsstand in der Katharinenstraße zwischen Hauptbahnhof und Innenstadt zu Alphabetisierung und ihren Lernangeboten. Damit bringt sie das Thema an einen zentralen und stark frequentierten Ort der Stadt.

Ahaus: Die aktuelles forum Volkshochschule zeigt im vhs-Haus im gesamten September die Ausstellung „Lesen verbindet – Alphabetisierung als Menschenrecht“. Sie stellt den Zusammenhang zwischen Alphabetisierung, Bildung, Teilhabe und Menschenrechten in den Mittelpunkt.

Jülicher Land: Die vhs Jülicher Land verbindet Materialien der Kampagne „Lesen und Schreiben öffnet Welten“ mit der Fotoausstellung „Lebenswelten gering Literalisierter“ des Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung e. V. Die Ausstellung ist noch bis zum 17. September im Foyer der Volkshochschule zu sehen.

Die Beispiele stehen stellvertretend für die zahlreichen Aktivitäten im Alphanetz NRW. Sie zeigen, was starke Netzwerke bewirken können: Unterschiedliche Einrichtungen bringen ihre Kompetenzen und Zugänge ein, erreichen Menschen in ihren Lebenswelten und tragen dazu bei, Alphabetisierung und Grundbildung in der Öffentlichkeit zu verankern.

Gemeinsam für mehr Teilhabe

Auch bundesweit rückt der Weltalphabetisierungstag 2026 die Menschen und Institutionen in den Mittelpunkt, die sich für Alphabetisierung und Grundbildung einsetzen. Der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e. V. macht mit seiner Kampagne „Gemeinsam für mehr Teilhabe“ die Bandbreite dieses Engagements sichtbar – von Lernbotschafterinnen und Lernbotschaftern über Lehrkräfte und Beratende bis hin zu Fachkräften und Forschenden.

Der Weltalphabetisierungstag schafft seit 60 Jahren besondere öffentliche Aufmerksamkeit für ein Thema, das weit über den 8. September hinausreicht. Menschen mit Grundbildungsbedarf zu erreichen, Zugänge zu Bildung zu eröffnen und gesellschaftliche Teilhabe zu stärken, braucht verlässliche Strukturen, fachlichen Austausch und eine kontinuierliche Zusammenarbeit über institutionelle und gesellschaftliche Grenzen hinweg.

„Jede*r zählt und jede*r kann“ – dieser Anspruch prägt die Arbeit des Alphanetz NRW. Denn Grundbildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die starke Netzwerke und das Engagement vieler Akteurinnen und Akteure braucht.

 

 

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